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20.10.2018

Essen Spiel 2018: Eine Einkaufsliste

In wenigen Tagen ist es soweit: Vom 25.-28.10 richten sich wieder die Blicke der Brettspieler weltweit auf die Spiel 2018, die erneut um einige Hallen angewachsen ist. Die Zahl der Neuheiten liegt auch in diesem Jahr schon weit über 1000, wenn man den einschlägigen Listen vertrauen darf. Zum Glück ist die Zahl der Spiele, die mich interessieren, nicht ganz so umfangreich, obwohl doch wieder knapp über ein Dutzend zusammengekommen ist.


Zunächst: In eigener Sache
Wie schon seit vielen Jahren werde ich auf der Messe aber nicht von Stand zu Stand pilgern, um mir die ganzen Neuerscheinungen jenseits der obigen Liste zu Gemüte zu führen, sondern brav am Stand von Pegasus (3-M110) ausharren und wieder den Erklärbär geben. Im Wechsel werde ich einerseits die deutsche Fassung von Portal Games Detective erläutern, das extra eine fiktive Datenbank im Netz zur Lösung des Falles anbietet; andererseits Einführungsrunden für das Piratenrollenspiel 7te See anbieten. Ich freue mich über jeden Besucher!


Ausgiebige Listen und Detailinfos
Dank der inzwischen etablierten Previewseiten von BoardGameGeek, wo man als registrierter User ansprechende Titel einfach in fünf Kategorien markieren kann, war dies in diesem Jahr mein Hauptanlaufpunkt zur Messevorbereitung. Wer also ganz genau wissen will, welche Neuheiten neben den an dieser Stelle ausführlich vorgestellten mein Interesse geweckt haben, der sei auf meine vollständige Vorschau bei BGG verwiesen. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch die Neuheitenliste auf spielen.de, die die von BGG gut ergänzt.

Nun aber zu den eigentlichen Titeln, die wahrscheinlich meine Börse erleichtern werden. Auffällig – und fast schon erleichternd – ist, dass eigentlich nur zwei Vollpreisspiele dabei sind, während der Rest eher mit „Mitnahmepreisen“ besticht. Und wie schon in vergangenen Jahren liegt mein Schwerpunkt auch deutlich bei Brett- und nur am Rande auf Rollenspielen, wenngleich einige Titel dabei sind, die diese Grenze überschreiten.


Bereits vorbestellt
Oder besser gesagt: Beginnen wir erst einmal mit den Titeln, die meine Börse schon längst erleichtert haben. Immerhin sind einige Spiele schon im Vorfeld der Messe verfügbar gewesen oder lassen sich beim Verlag vorbestellen.


 


5-Minuten-Jagd bei Board & Dice (2-B106), 15,- EUR [BGG]
Eigentlich handelt es sich hierbei um keine richtige Vorbestellung, denn die deutsche Fassung von 5-Minute-Chase wurde bereits vor einigen Wochen über die Spieleschmiede erfolgreich finanziert und konnte sogar noch vor der Messe ausgeliefert werden.
Im Kern ist dies ein asymmetrisches Puzzle für genau 2 Spieler: Der Flüchtende erhält zwei Stapel mit Stadtplättchen und muss diese zu seinem Fluchtweg zusammenbauen, dabei aber auch einfache Regeln – zusammenpassende Straßen, von Bäumen in der Sicht blockierte Polizeiautos – beachten. Der Verfolger wiederum muss bis zum letzten Plättchen den Weg seines Gegners nachverfolgen, denn auf diesen sind Passanten abgedruckt, die in verschiedene Richtungen schauen – und man muss per Marker ermitteln, in welchem Viertel dies die meisten tun.
Neben dem günstigen Preis und dem kompakten Format sprechen mich hier die kurze Spieldauer und das wirklich originelle Konzept des Gegeneinander-Puzzelns an – und wahrscheinlich werde ich es auch noch vor der Messe anspielen können.



Green Box of Games Meeple Expansion bei Norwegian Indie Designers (5-F109), 15,- EUR [BGG]
Die GBoG ist ein sehr intelligent gemachter generischer Spielebaukasten, der schon in den letzten Jahren auf der Spiel in Essen vertreten war. In diesem Jahr kann man zusätzlich eine kleine Figuren-Erweiterung erstehen, die die Möglichkeiten zum Spielentwurf noch weiter ausbauen. Am interessantesten ist wohl die Broschüre mit 12 Spielen, die auf BoardGameGeek für die Green Box entworfen wurden und nun auch in gedruckter Form unters Volk gebracht werden.
Nun gut, ich habe schon etliche Pöppel verschiedenster Formen und Farben für meine eigenen Prototypen im Fundus, aber die Green Box ist ein Projekt, das ich einfach gerne unterstütze. Und Meeple kann man ja eigentlich nie genug haben.


 


Junk Orbit bei Renegade Game Studios (2-F138), 30,- EUR [BGG]
Dieses Spiel ist schon im Handel erhältlich und somit keine wirkliche Messeneuheit, wird aber auf diversen Listen als solche geführt. Raumfahrer sammeln hier Weltraumschrott im Orbit von Erde und Mars sowie deren Monden ein und liefern diesen dann zu bestimmten Orten auf diesen Himmelskörpern. Der Clou dabei: Um das eigene Schiff zu bewegen, schmeißt man diesen Müll aus dem Schiff, der dann bis zu drei Felder weit fliegt – und der Raumer bewegt sich genau so weit in die Gegenrichtung. So gilt es dann zu steuern, wo man neuen Schrott einsammelt und den alten zielgenau abwirft.
Neben dieser schlauen Variante des althergebrachten Pick-up-and-deliver und der ansprechenden Optik bin ich grundsätzlich ein Fan des Designers Daniel Solis (der hier auch über die Entstehung von Junk Orbit berichtet), der schon diverse kleine Spielchen mit einem ungewöhnlichen Twist veröffentlicht hat – im letzten Jahr hat es das sehr empfehlenswerte Kodama: Die Baumgeister sogar zu Kosmos geschafft. Einen Stolperstein hat Junk Orbit allerdings: Das Spiel wird in einer tonnenförmigen Packung verkauft, die jeden Regalbesitzer zur Verzweiflung bringt. Gut, dass ich noch einen alten Karton von Kleinkinderschuhen gefunden habe, in dem das Material genauso gut Platz hat.


 


Rebel Nox bei Aporta Games (5-D126), 15,- EUR [BGG]
Und ein weiteres kleines Kartenspiel, bei dem zwei Faktionen um die Vorherrschaft über diverse Ortskarten buhlen. Gepaart mit einem rotierenden (Stein-Schere-Papier) Trumpfsystem für die Stiche und stetig wechselnden Loyalitäten klingt das nach einem günstigen aber dennoch vielseitigen Spiel. Inspiriert wurde es laut den Entwicklern übrigens, wie hier nachzulesen, von Doppelkopf. Dass Rebel Nox zugleich noch mit der gleichen ansprechenden Optik wie Capital Lux aufwartet und mit kleinem Rabatt vorbestellbar ist, hat mich dieses Geld bereits vor der Messe ausgeben lassen.


 

Walking in Burano bei EmperorS4 (4-C104), 22,- EUR [BGG]
Dieses Spiel ist mir erst zehn Tage vor der Messe über den Weg gelaufen – und hat mich direkt so angesprochen, dass ich es vorbestellt habe. Mit Karten von einzelnen Stockwerken bauen die Spieler das Panorama der schon im Original wunderschönen Insel Burano in der Bucht von Venedig nach, und Besucher und Einwohner geben dann entweder für ein Gebäude oder die gesamte Zeile Punkte je nach den sichtbaren Kennzeichen.
Die Karten sind wirklich ansprechend gestaltet und stellen zum Ende des Spiels stimmig eine Häuserzeile mit Passanten und dem Kanal davor dar; während die Regeln mit den Personen ein großes Spektrum zum lukrativen Werten bieten. Das kompakte Format und die Tatsache, dass ich Burano mit meiner Frau vor vielen Jahren schon besucht habe, tun dann ihr Übriges.


Seid endlich ruhig und nehmt schon mein Geld!
Und damit kommen wir nun auch wirklich zu den Spielen, die erst noch in mein Regal wandern müssen.


 


Holding On – Das bewegte Leben des Billy Kerr bei Hub Games/Asmodee (3-P101 / 1-D101), 40,- EUR [BGG]

Dies ist eines meiner großen Highlights der diesjährigen Spiel. Ausgerechnet der Verlag, der in der Vergangenheit mit so leichtherzigen Titeln wie Rory’s Story Cubes bekannt wurde, bringt in diesem Jahr ein Spiel mit einem sehr ernsten Hintergrund: Man verkörpert Krankenhauspersonal, dass sich um den frisch eingelieferten Herzinfarkt-Patienten Billy Kerr kümmern muss. Natürlich ist wichtig, dass sich dessen Zustand nicht verschlechtert; gleichzeitig lasten dem alten Mann noch Erlebnisse aus seiner Vergangenheit auf den Schultern, die es im Gespräch herauszufinden gibt. Erfährt man zuerst nur Erinnerungsfetzen, so fügen diese sich später zu einem ganzheitlichen Bild über das Leben eines Mannes zusammen, der das Krankenhaus wohl nicht mehr lebend verlassen wird. Da zudem zehn Szenarien vorhanden sind, ist auch der Wiederspielwert hoch, um alles über Billy Kerr herauszufinden. Ich bin wahnsinnig gespannt…


 


Ex Libris beim Schwerkraft Verlag (3-P124), 50,- EUR [BGG]
Dieser Titel ist der, auf den ich mich am meisten freue – auch wenn zu meinem Leidwesen wohl inzwischen verlautet wurde, dass er es nicht rechtzeitig auf die Messe schaffen wird...
Ursprünglich auf Englisch bei Renegade Game Studios erschienen, veröffentlicht der Schwerkraft Verlag die deutsche Ausgabe. Die Spieler wollen als Bibliothekare die perfekte Büchersammlung aufbauen. Der Clou: Die Bücherregale sind einzelne Karten, auf denen Bücher bereits nach Alphabet vorsortiert sind; und so muss man diese ordentlich in Folge aufbauen und auch dafür sorgen, dass das Regal als solches ordentlich von oben nach unten konstruiert ist. Zudem gibt es Bonuspunkte für bestimmte Buchkategorien.
Das Original besticht bereits mit augenzwinkernden Buchtiteln, deren Witz es hoffentlich auch in die deutsche Ausgabe schafft. Nun, ich werde es sehen, wahrscheinlich aber nicht mehr im Oktober…




Kingdomino: Zeitalter der Riesen bei Pegasus Spiele (3-M110), 14,95 EUR [BGG]
Machen wir es kurz: Ich und die Familie mögen Kingdomino, wir mögen Queendomino, und eine kleine Erweiterung für beide ist da gerne und schnell eingesackt. Neben neuen Dominoplättchen, mit denen sich Riesen in den Gebieten niederlassen und die für die Siegpunkte wichtigen Kronensymbole negieren, wartet dieses Set auch mit zusätzlichen Aufgaben für die Gesamtstruktur des eigenen Königreichs auf, die für die Schlusswertung neue Optionen bieten.


 


Sherlock Holmes: In Sachen Irene Adler und Noir: Loup Garou bei Pegasus Spiele (3-M110), je 14,95 EUR [BGG] [BGG]
Schon seit einigen Jahren übersetzt Pegasus die Spielecomics des französischen Verlags Blue Orange. Schon die ersten Bände haben mir außerordentlich gut gefallen, weil sie die reinen Texträtsel der klassischen Spielbücher gekonnt um optische Rätsel und Hinweise erweitern, auf die die Geschichte oft gar nicht mal explizit hinweist. Neben einem weiteren Fall für Sherlock Holmes erscheint nun auch der zweite klar erwachsene Titel über Werwölfe, Vampire und andere Monster.


Einen genaueren Blick wert
Damit wäre mein Pflichtprogramm abgehakt, bei dem ich blind zugreifen werde. Andere Titel brauchen aber erst einmal einen prüfenden Blick vor Ort.



Black Skull Island bei Strawberry Studios (1-G124 / 2-F112), 15,- EUR [BGG]
Strawberry Studios geben schon seit geraumer Zeit kompakte, optisch sehr ansprechende Kartenspiele zum kleinen Preis heraus. Bei Black Skull Island versuchen die Spieler, als erster die nötige Zahl an Schätzen zusammenzuraffen, die anhand der vielseitigen Kartentexte wohl auch oft den Besitzer wechseln. Die reine Anleitung gibt darüber aber nur vage Andeutungen, ein kurzer Blick auf die Karten, um das Spielgefühl nachvollziehen zu können, ist dann wohl doch nötig. Vom reinen Spielverlauf scheint es wohl auch ganz interessant für meinen Nachwuchs zu sein, aber ach, wie es aussieht erscheint Black Skull Island nur auf Englisch.


 


Greif Zu! Die Brieftasche des Paten bei Huch (3-D120), 20,- EUR [BGG]
Ein weiteres relativ kompaktes Spiel zu einem übersichtlichen Preis, das vor allem durch sein Spielmaterial auf sich aufmerksam macht. Denn hier wird eine Brieftasche zwischen den Spielern herumgereicht, aus denen sich jeder geheim Ausweise, Wertgegenstände oder Bargeld heraussuchen darf, ohne dabei die erlaubten Habseligkeiten seiner Rolle zu überschreiten. Am Spielende zeigt sich dann, wer am besten zugelangt hat. Arg irritierend finde ich aber, dass Huch dieses Spiel in einer so überdimensionierten Verpackung herausgibt, aber wahrscheinlich soll es eben auch im Einzelhandel das Interesse der Laufkundschaft wecken. Mal schauen, wie aufgeblasen dieses Spiel letztlich ist.




Fast Forward: Fatal bei 2F-Spiele (3-L104), 14,- EUR [BGG]
Was für ein Schock! Nur ein Titel von meinem Lieblingsdesigner Friedemann Friese schafft es auf meine Liste, und dann ist es nicht einmal eine Pflichtanschaffung?! Tatsächlich spricht mich von den Neuheiten, die 2F-Spiele in diesem Jahr präsentiert, kaum etwas an. Fatal reiht sich in die Reihe der kleinen Fast-Forward-Spiele, bei denen die Regeln durch den vorsortierten Kartenstapel nach und nach erklärt werden. Thematisch soll es sich wohl um Glücksspiel handeln; jeder Spieler will die höchste Punktzahl erreichen und muss dabei auch auf Bonuskarten achten. Interessant ist das Fast-Forward-Konzept auf jeden Fall, aber etwas mehr würde ich dann vor Ort doch gerne erfahren.
Und was ist mit den anderen Neuheiten von 2F? Futuropia, das neue große Spiel von Friese, war bei Bekanntgabe natürlich ein Must-Have. Nach Studium der Regel aber erschien mir dieser Titel, in der man die ideale Gesellschaft aufbaut, indem man Wohnblöcke mit Generatoren und Arbeitsrobotern ausstattet, doch arg trocken und sehr auf Aktionsoptimierung fixiert. Auch Feiner Sand klang auf die erste Idee ganz originell, geht es doch darum, Sandburgen zu bauen; außerdem sollte das Fabel-Konzept für Kampagnenspiel darin enthalten sein. Auch hier war das Regelstudium eher ernüchternd: Letztlich baut man im Spielverlauf verbesserte Aktionsmöglichkeiten auf, um möglichst schnell den eigenen Kartenstapel loszuwerden.


 


Magic Fold bei Happy Baobab (4-C102), 29,- EUR [BGG]
Kaum zu glauben, was man aus Stofftuch-Falterei alles machen kann. Vor zwei Jahren debütierte dieses Konzept bei den Koreanern von Happy Baobab mit dem  sehr schlauen Fold-It, bei dem ein Tuch mit 4x4 Mustern schnell so zurechtgelegt werden muss, dass nur noch die Symbole einer Aufgabenkarte zu sehen sind. Im Folgejahr wurde dieses Konzept zu dem kleinen Prügelspiel BattleFold umgebaut, bei dem die gefalteten Symbole die Aktionsmöglichkeiten eines Spielers anzeigen (und möglichst keine Fallen zeigen sollten). Die dritte Variante macht unter Zusammenarbeit mit Bruno Cathala (immerhin mit Kingdomino Gewinner des Spiel des Jahres 2017) nun ein Rennspiel daraus. Vier Bewegungsaktionen stehen zur Auswahl, wer das entsprechende Muster als erster faltet, darf diese nutzen.
Auch wenn mir die ersten beiden Faltspiele gut gefallen, spricht mich diese neueste Inkarnation kaum an. Zudem finde ich den Preis von 29,- Euro für so einfache Komponenten etwas happig. Vielleicht schaffe ich es ja zu einem Probespiel, um mich vom Gegenteil zu überzeugen.


Rollenspiele
Eine sehr dürftige Kategorie für mich in diesem Jahr, obwohl ich sicherlich den Jungs von System Matters einen Besuch abstatten werde, um meinen Nachholbedarf an einigen ihrer älteren Publikationen zu decken… Und vielleicht ist der eine oder andere Leser ja gewillt, die oben erwähnten Spielecomics großzügig bei dieser Kategorie zählen zu lassen.



7te See: Angriff des Kraken bei Pegasus Spiele (3-M110), 9,95 EUR [Pegasus]
Und mein einziger Eintrag unter Rollenspielen ist dann auch noch kein richtiger. Tatsächlich wurde ich von Pegasus angesprochen, ob ich nicht einen eigenen Beitrag für einen Abenteuerband zu 7te See leisten wollte, und so habe ich ein ursprünglich als Demoszenario angedachtes Abenteuer publikationsfähig gemacht. In „Die Hinrichtung“ haben die Helden nur eine Nacht Zeit, um einen tapferen Kapitän vor dem Galgen zu bewahren. Schauplatz ist das eigentlich castillische Altamira, nun aber seit geraumer Zeit von Montaigne besetzt. So müssen die Abenteurer auf jeden ihrer Schritte achten, finden aber auch Unterstützung in der einheimischen Bevölkerung.
Die anderen Abenteuer in Angriff des Kraken machen mich aber auch neugierig, zumal zwei weitere der insgesamt fünf ebenfalls aus deutscher Feder stammen.


Bildquellen
BoardGameGeek und diverse Verlage

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