[Interview] Malte aus dem Siepen über die Produktion von Kleine Helden 2e

25.11.2013
Im Jahr 2007 erschien bei Pegasus Spiele das Kartenspiel Kleine Helden, in dem die lustigen Figuren des gleichnamigen Webcomics im Kampf gegeneinander antreten. Nach dem Erscheinen zweier Erweiterungen war das Grundspiel allerdings bald mehrere Jahre lang vergriffen. Aufgrund der anhaltenden Nachfrage haben Autor Malte aus dem Siepen und Illustratorin Laura aus dem Siepen vom März bis Mitte Juni dieses Jahres über die Crowdfundingplattform Startnext eine neue und verbesserte Edition des Kartenspiels ins Leben gerufen.


Das Projekt und diverse Extras waren zügig finanziert, inzwischen ist die ganze Ware auch produziert und bei den Unterstützern angekommen. Da über das Spiel und die neue Edition selbst bereits viel gesagt und geschrieben worden ist, stand Malte mir Rede und Antwort bei einem Blick hinter die Kulissen auf die organisatorischen und wirtschaftlichen Aspekte eines solchen Projekts.


Spiele im Kopf: Bei der ersten Edition hattet ihr mit Pegasus einen erfahrenen Verlag samt Redaktion an eurer Seite, der euch sicherlich einiges an organisatorischer Arbeit abnehmen konnte.
Welche Aufgaben kamen beim Eigenverlag auf euch zu, und habt ihr diese im Vorfeld richtig eingeschätzt?

Malte: Der größte Unterschied ist zweifelsohne die Kalkulation der Finanzierung. Das war für uns natürlich absolutes Neuland. Hier alles richtig einzuplanen war nicht einfach. Aber am Ende hat es dann ja doch alles funktioniert.


Spiele im Kopf: Welche Faktoren spielten bei der Kalkulation des Finanzierungsziels und der Zusatzkomponenten eine Rolle? Haben insbesondere die zusätzlichen Druckbögen wie das Szenarioheft und die 24 Extrakarten die Fixkosten signifikant erhöht?

Malte: Man muss sich erst einmal überlegen, wie viele Spiele man produzieren lassen möchte. Wie viele sind realistisch und welche Anzahl rechnet sich am Ende.
Die Stretchgoals waren natürlich im Vorfeld so geplant, dass wir keinen Verlust dadurch einfahren. Allerdings waren diese teilweise schon sehr knapp kalkuliert. 


Spiele im Kopf: Hat euch die bisherige Erfahrung mit existierendem Kleine-Helden-Merchandise - so bietet ihr ja beispielsweise T-Shirts oder Tassen an - bei der Suche nach dem Drucker oder dem Hersteller des Sammlerwürfels geholfen?

Malte: Für die Massenbestellung an T-Shirts und Würfeln mussten wir neue Partner suchen. Wir hatten klare Vorstellungen, was die Qualität der T-Shirts und der Würfel angeht. Da wollten wir keine Abstriche machen. Das bedeutete jedoch auch, dass wir lange suchen und vergleichen mussten, bis wir einen Drucker gefunden hatten, der unseren Vorstellungen entspricht.
Die Würfel haben wir direkt bei Chessex in Amerika herstellen lassen.


Spiele im Kopf: War von Anfang an geplant, dass die zweite Edition der Kleinen Helden auch in den normalen Handel kommt, oder hat sich das erst mit der durch den Erfolg des Projekts ermöglichten Auflagenstärke ergeben? Wie seid ihr bei der Suche nach einem Vertrieb vorgegangen?

Malte: Ja, es war von Anfang an geplant auch den normalen Handel zu bedienen. Eine Auflage von nur 500 Exemplaren für die Unterstützer des Crowdfunding Projektes hätte sich nicht gerechnet.
Dass Pegasus den Vertrieb übernimmt, war auch vor Beginn des Projektes schon geklärt. Es hätte hier keinen Sinn gemacht, Spiele einer Serie bei verschiedenen Vertriebspartnern unter zu bringen.


Spiele im Kopf: Durch die neuen Zeichnungen und Karten habt ihr viele zusätzliche Designarbeit in die zweite Edition des Kartenspiels investiert. Wie viel davon war bereits im Vorfeld der Finanzierungsphase vorhanden, und wie sehr haben euch die Vorlagen der ersten Edition diese Arbeit erleichtert?

Malte: Da wir fest an den Erfolg des Projektes glaubten, haben wir bereits vor dem Start einen Großteil der neuen Illustrationen und Karten fertiggestellt. Unser Ziel war es, nach Beendigung der Finanzierungsphase keine Zeit zu verlieren und möglichst schnell in den Druck gehen zu können. Da wir nicht alle Karten neu gestalten mussten, hatten wir einen zusätzlichen Vorteil im Gegensatz zur Produktion eines komplett neues Spieles.


Spiele im Kopf: Neben neuer Illustraton und Layout habt ihr auch Verpackung und Versand der Spiele und Bonuskomponenten selbst übernommen. Gab es auch die Überlegung - und Kalkulation - diesen Schritt auszulagern?

Malte: Diesen Schritt haben wir, was den Zeitaufwand angeht, etwas unterschätzt. Das war wirklich viel Arbeit an die 500 Päckchen zeitnah zu packen und zu versenden. Gerade wenn nicht jedes Päckchen gleich gepackt wird.



Spiele im Kopf: Wie gut habt ihr euren geplanten Termin für die Auslieferung einhalten können? Was waren dabei die größten Stolpersteine?

Malte: Wir hatten Freunde die uns beim packen geholfen haben. – Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an alle freiwilligen Helfer ! ;)  Größter Stolperstein war die Post selber! Hier heraus zu finden wie man alles richtig und bezahlbar versendet war schon einiges an Recherchearbeit …


Spiele im Kopf: Inzwischen ist euer erstes Crowdfunding-Projekt erfolreich abgeschlossen und bei den Unterstützern angekommen. Hat euch das ermutigt, in Zukunft vielleicht weitere Spiele - sei es mit den Kleinen Helden oder ohne - auf diesem Wege zu realisieren?

Malte: Wir haben bei diesem Projekt viel gelernt, einiges an Lehrgeld bezahlt und wissen nun das wir eine tolle Fangemeinde haben! Ja, wir können uns vorstellen so etwas noch einmal zu machen. Aber jetzt müssen wir uns von diesem Projekt erst mal erholen ;)



Nochmals Danke an Malte für seine ausführlichen Antworten. Alle, die nun Interesse am Kleine-Helden-Kartenspiel gefunden, die Startnext-Finanzierung aber verpasst haben, können die neue Edition und die Erweiterungen im Webshop von Pegasus Spiele erwerben.

Alle Produktbilder stammen von www.kleine-helden.de oder der Seite des Projekts auf Startnext.de.

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