Die Magie des Landkärtchens

22.10.2014
Die Schmetterlingsart des Landkärtchens fällt dem Laien durch ihren pittoresken Namen auf, ist ansonsten aber wohl nur für Naturkundler interessant. Was aber, wenn dieses Insekt in einem magischen Rollenspielsetting tatsächlich seine Umwelt auf seinen Flügeln abbildet?


Die spröden Fakten
Frühlingsgeneration
Sommergeneration
Seinen Namen hat der Landkärtchenfalter (lat. Araschnia levana) aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) durch das ausgeprägte Netzmuster auf seiner Flügelunterseite erhalten, das an eine Landkarte erinnert. Sogar im englischen wird diese Art schlicht als „Map“ tituliert. In einem Jahr werden eine Frühjahrs- und eine Sommergeneration geboren, deren Zeichnung auf der Flügeloberseite stark unterscheidet. Aus diesem Grund hielt die  Schmetterlingskunde den Landkärtchenfalter lange Zeit für zwei verschiedene Arten.

Frühjahrs- und Sommergeneration sind direkte Nachkommen voneinander. Während letztere im Sommer schlüpft und von Juli bis August fliegt, müssen die Puppen der Frühjahrsgeneration überwintern, eh sie zwischen April und Juni fliegen. Die unterschiedliche Tageslänge während des Verpuppungsstadiums ist verantwortlich für die verschiedenen Zeichnungen der Flügeloberseite.

Soweit die profanen Fakten, wie sie ein jeder auf Wikipedia einsehen kann. Tatsächlich aber ist das Landkartenmuster dieses Falters nicht nur eine Laune der Natur, sondern interagiert mit seiner Umgebung.


Die Kräfte des Landkärtchens
Frühlingsgeneration
Die individuelle Zeichnung auf den Flügeln eines jeden Landkärtchenfalters ist eine – wenn auch sehr kryptisch kodifizierte – Abbildung seiner Umgebung. Der in den Mustern dargestellte Umkreis variiert, es wurden bereits Exemplare untersucht, die ein Areal im Umkreis von nur 2km abbildeten, während auch schon solche entdeckt wurden, deren Zeichnung einen Radius von etwa 50km abdeckt. Auch zeigen sich die einzelnen Falter unterschiedlich sensibel für die diversen Merkmale ihrer Umgebung. So bilden einige vor allem markante Elemente der Fauna ab, andere reagieren auf geologische Formationen, wieder andere sind empfindlich für magische Energien. Die jeweiligen Formen der Flügelmuster jedoch sind über die gesamte Art hinweg identisch.
So ist kaum verwunderlich, dass nur sehr wenige Personen in der Lage sind, das Schema dieses Schmetterlings überhaupt zu interpretieren. Zumeist sind es Schamanen oder ähnliche naturverbundene Traditionen der Magie, wesentlich seltener auch Hermetiker.

Sommergeneration
Die Frühjahrsgeneration, die während der Wintermonate zu einem langen passiven Puppenstadium gezwungen ist, bildet mit ihren Flügeln die Umgebung des Insekts ab. Dabei wurde sogar beobachtet, dass Falter dieser Generation ihre Zeichnung stetig ihrem Fluggebiet anpassen und sich ihr Muster somit beständig dezent ändert. Wie schon oben beschrieben wird die Deutung des sich wandelnden Flügels dadurch erschwert, dass jeder Schmetterling einen individuellen Radius abbildet.

Die Sommergeneration hingegen behält bis zu ihrem Ende das Muster bei, das sie beim Schlüpfen trägt. Gestärkt von der lebensspendenden Kraft der Sonne, passt sie ihre Umgebung langsam aber stetig ihrer Flügelzeichnung an. Spezielle Pflanzen mögen so aus der Erde sprießen, Erdformationen können sich verschieben, oder ein Fokus magischer Energien entsteht. Auch nach dem Hinscheiden eines Falters bleiben diese Änderungen bestehen.


Einsatz im Rollenspiel
Die fiktiven magischen Fähigkeiten des in unserer Wirklichkeit existierenden Landkärtchenfalters lassen sich wohl am besten in Rollenspielhintergründe einbinden, die ebenfalls unsere Welt um arkane Kräfte ergänzt haben: Ars Magica fiele mir ein, Shadowrun oder Dresden Files.

Sollte ein Charakter über das Spezialwissen verfügen, den dezenten Zauber des Schmetterlings deuten zu können, so bieten sich die folgenden Einsatzmöglichkeiten an: Die passive Frühjahrsgeneration kann als unauffälliger Kundschafter dienen, um ein rigoros bewachtes Gebiet auszukundschaften, sei es ein offenes Areal wie eine abgelegene Forschungsstation, vielleicht aber auch den inneren Aufbau eines Gebäudes. Gelingt es bei der Sommergeneration, das Flügelmuster zu deuten, so könnte man vielleicht in der Zeichnung abgebildete Quellen magischer Energie neu erschaffen – eine Möglichkeit, die gerade beim Einsatz in Ars Magica sehr interessant wäre.



Dieser Artikel ist Teil des Karnevals der Rollenspielblogs im Monat Oktober über Orte und Locations. Die Moderation liegt beim Blechpiraten von Richtig Spielleiten!, alle Beiträge des Monats werden zudem in diesem Thread des Forums der Rollenspielblogs aufgelistet.



Bildnachweise
Jörg Hempel: "Araschnia levana f. levana" (Frühlingsgeneration, Unterseite), Creative Commons CC BY-SA 3.0 de
Algirdas: "Araschnia levana f. prorsa" (Sommergeneration, Unterseite), Creative Commons CC BY-SA 3.0
Algirdas: "Araschnia levana f. levana" (Sommergeneration, Oberseite), Creative Commons CC BY-SA 3.0
Christian Fischer: "Araschnia levana f. prorsa" (Sommergeneration, Oberseite), Creative Commons CC BY-SA 3.0

Kommentare:

TheShadow hat gesagt…

Das ist eine wirklich, wirklich schöne Idee.

Lars hat gesagt…

Ohja, ich bin auch schwer angetan! :)

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