RPG-Blog-O-Quest #015 – Bestiarium

23.12.2016
Monat für Monat rufen Greifenklaue und Würfelheld die deutschen Rollenspielblogger dazu auf, sich zu einem kurzen Fragenkatalog über ihre Haltung und Eigenheiten im Hobby zu äußern. War ich dabei bisher eher zurückhaltend, so fallen mir zum aktuellen Thema „Monster“ doch einmal wieder passende Antworten ein.


1. Welches Monster ist Dein Favorit und warum? Auf nur ein bestimmtes Monster mag ich mich nicht festlegen. Aber ich liebe die Schrecken aus Earthdawn, weil sie auf so mannigfaltige Weise die zerstörerischen und verderbenden Kräfte verkörpern, die die Welt der Namensgeber heimsuchen. Vom schlichten hirnlosen Vielfraß bis zum subtilen Verderber des Geistes ist da ein faszinierendes Spektrum abgedeckt. Deshalb verabscheue ich auch die etablierte deutsche Übersetzung „Dämon“, weil dieser Begriff in unserem Kulturkreis einfach schon anders besetzt ist und das Grauen dieser Kreaturen in meinen Augen nicht angemessen vermittelt.



2. Meine bisher prägenden Monster-Erlebnisse waren ganz unterschiedlicher Natur. Zum einen habe ich vor vielen Jahren mit meiner Runde für kurze Zeit DSA in den schwarzen Laden geleitet. In dieser verruchten Gegend begegneten ihnen auch einmal einige niedere Kampfdämonen vom Typus Zant. Bei der Schilderung des darauf folgenden Kampfs habe ich auf einige Tipps zurückgegriffen, die Thomas Römer und Hadmar Wieser im Abenteuer „Rohals Versprechen“, dem fünften Band der Borbaradkampagne geschildert haben. Dort erläuterten sie sehr eloquent, dass Dämonen von einer anderen Daseinsebene stammen, die mit der physischen Realität der Helden nicht viel zu tun hat. Diese explizite Andersartigkeit und Unberechenbarkeit, die ich dadurch in die Beschreibung des Scharmützels einbringen konnte, machte diese Szene für alle Beteiligten unvorhersehbar, bedrohlich und spannend.

Das zweite Monstererlebnis, an das ich mich bis heute erinnere, ist da eher profaner Natur. Als ich kurz nach der Jahrtausendwende zu meiner jetzigen Düsseldorfer Runde stieß, war eine der ersten Sitzungen, an der ich teilnahm, ein kleines DnD 3e-Abenteuer. Einer der Charaktere fiel durch eine ausgelöste Falle in eine Grube, in der in kleines schuppiges Wesen mit zwei großen Fühlern ihn beschnüffelte. Mir entfuhr sogleich ein beglücktes „Ui, ein Rostmonster“; und im nächsten Moment warf der Spielleiter frustriert seine Aufzeichnungen durch das Zimmer. Wie hätte ich denn ahnen sollen, dass dieser Klassiker des Monsterhandbuchs eben nicht jedem in der Runde bekannt war und ich somit reflexartig die gemeine Überraschung ausgeplaudert hatte, die dem ahnungslosen Spieler in diesem Moment drohte…?
Letztlich wurde dieser peinliche Zwischenfall noch am selben Abend schwarzhumorig verarbeitet, indem wir den Metallfresser in einer obskuren Variante von Stein-Schere-Papier namens Axt [erschlägt] Kind [erknuffelt] Rostmonster [vertilgt…] verwursteten. Vielleicht sogar zu schwarzhumorig und makaber, um es freimütig in einem Blog auszuplaudern, aber Axt-Kind-Rostmonster bringt uns bis heute zum Grinsen…




3. Wenn ich ein Gallertwürfel wäre, würde ich mir zuerst wie im schon richtigen Leben alles Mögliche einverleiben und horten, das meinen Weg kreuzt. Der unbeirrbare Sammler in mir ist wohl auch in Monstergestalt nicht totzukriegen.



4. Wie findest Du in Deinem Lieblingssystemsetting die gebotenen Monster? Damit schließt sich dann wohl der Kreis zu Frage 1. Nun sind die Schrecken nur ein Teil der ausgeführten Kreaturen in Earthdawn, aber sie sind eben das zentrale Element dieses Settings und gerade die Beschreibungen der mächtigen, benannten Schrecken versetzen mich mit ihren subtilen Wegen, die Namensgeber zu korrumpieren, in Verzückung.


5. Ich wünsche mir, dass Monstern mehr Kultur zugeschrieben würde. Gerade in Film und Fernsehen dürfen menschenähnliche Kreaturen nur tierisches Schreien und Grunzen von sich geben, damit sie auch ja als bestialische Gegner zu erkennen sind, deren Tod den Zuschauer nicht zu kümmern braucht. Selbst Peter Jacksons Umsetzung von Die Zwei Türme tappt bei der Schlacht um Helms Klamm in dieses Fettnäpfchen, nachdem die Uruk-Hai oder Orks doch in anderen Szenen zuvor durchaus der Sprache mächtig waren.


6. [Bonusfrage] Monsterjäger nennen sich bei Earthdawn Horror Stalker und sind zumindest auf dem Papier eine interessante Idee. Aber ein Charakter, der aktiv die Male dieser Schreckenskreaturen auf sich nimmt, um sie so aufzuspüren, kann stets nur der Mittelpunkt einer Gruppe sein und drängt damit alle anderen Figuren unnötig an den Rand. Mal ganz abgesehen davon, dass die Jagd nach Dämonen ganz schnell für alle Beteiligten in einer Katastrophe enden kann.




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  • Die originalen Fragen zu Queste #015 finden sich beim Würfelhelden, alle Beiträge werden parallel in diesem Forumsthread gesammelt.


Bildquellen
"Yao Mo" von Enkidi auf DeviantArt
"Rust Monster" von Jarumo auf DeviantArt
"Gelatinous Cube" von Xaltotun CC BY-NC 3.0

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