RPG-Blog-O-Quest #23 – Meister, Spielleiter und Co.

04.08.2017
Auch im August lockt die RPG-Blog-O-Quest mich mit Fragen (nun ja, Lückentexten), auf die ich meine umfangreich und kurzweilig antworten zu können. Wie also ist meine Einstellung zum Dasein als Spieler und/oder Spielleiter?


  1. Am liebsten spiele ich Rollenspiele bei einem unserer Gruppe zu Hause, denn dort ist es wegen der Planung am einfachsten. Da in der Runde bis auf eine Ausnahme auch alle die Vierzig überschritten haben, verfügen wir durchweg über entsprechende Räumlichkeiten. Mit Onlinerunden habe ich nur wenige (wenn auch angenehme) Erfahrungen gesammelt; und in einem der Läden meiner Arbeitsstätte Düsseldorf könnte ich wohl auch an einer der zahlreichen wöchentlichen Runden teilnehmen, aber derzeit fahre ich dann doch lieber nach Hause zur Familie.

     
  2. Ich bin immer mal wieder Spielleiter, da meine Sammelleidenschaft über die Jahre zahlreiche coole Systeme und Settings angehäuft hat, die nicht als unbespielte Staubfänger ihr Ende finden sollen. Aber dank der sehr sporadischen Spielfrequenz unserer Gruppe von Berufstätigen von etwa einmal im Monat sind auch die Systemwechsel sehr selten. Wenn eine Kampagne einmal so gut läuft wie derzeit DnD 3.5 Eberron, dann kann es schon einmal anderthalb bis zwei Jahre dauern, bis wir etwas anderes in Angriff nehmen – und das wird nach derzeitigem Stand Fate mit dem zweiten Teil einer selbstgeschriebenen Kampagne eines anderen Mitspielers sein.

    Wenn ich dann einmal wieder an der Reihe sein sollte, möchte ich stärker an meiner Verkörperung von NSC arbeiten. Bei meinen Vorbereitungen (dazu mehr unter Antwort 5.) gelingen mir zwar immer wieder interessante Figuren mit netten Eigenheiten, nur habe ich selbst das Gefühl, dass ich von diesen individuellen Charakterzügen am Spieltisch zu wenig einbringe.

     
  3. Als Spieler bin ich eher genügsam, denn ich bestehe nicht unbedingt auf meine abendlichen fünf Minuten im Rampenlicht. Natürlich gab es in unserer Runde schon je nach Spielleiter und Szenario Gelegenheiten, wo ich gezielt im Mittelpunkt stand und unvergessliche Momente erlebt habe, aber ich bestehe eben nicht zwingend darauf. Außerdem ist bei unserer niedrigen Spielfrequenz zumindest für mich schon das reine Beisammensein in der Runde zum Rollenspiel ein Highlight für sich.

    Nehmen wir nur ein Beispiel von unserem letzten Spielabend (der auch schon wieder fast drei Wochen zurückliegt) in Eberron. Derzeit befindet sich die Gruppe in einer Stadt, in der Kriegsgeschmiedete so wie meine Figur schlicht nicht anzutreffen sind und deshalb sofort Verdacht auf sich ziehen würden. Also verbrachte ich einen Großteil des Abends in einem portablen Loch, während die anderen „draußen“ ihr weiteres Vorgehen planten. Außen vor fühlte ich mich dabei aber dennoch nicht, denn ich konnte an der realen Unterhaltung am Gartentisch ja durchaus teilnehmen und einige Akzente und Ideen einbringen. Dass dafür auf Spielebene kurz erwähnt werden musste, dass man den Beutel mit dem portablen Loch etwas offenhält, damit ich zuhören kann, ist zwar eine klobige Notlösung, aber wen juckt‘s? Die nächste Szene, bei der ich meinem tragbaren Refugium entsteigen und meine Holzmuskeln spielen lassen kann, kommt bestimmt.


     
  4. Meister, Gamemaster (GM), Spielleiter(in) oder Spielleitung (SL) – die Bezeichnung ist mir nebensächlich, jedoch als DSA-domestizierter deutscher Rollenspieler habe ich über sehr lange Zeit den Begriff „Meister“ verwendet. Erst vor einigen Jahren hat sich bei mir, wahrscheinlich durch zunehmendes Spielen von DnD, so langsam der Begriff „Spielleiter“ als Standardklausel durchgesetzt.

     
  5. Wie bereitest du dich auf eine Spielrunde als Spielleiter vor? Wie als Spieler? Als Spielleiter versuche ich im Vorfeld möglichst akribisch zu sein, um dann am Spieltisch umso souveräner auf die Spieler einzugehen. Hintergrund ist folgender: Zu improvisieren ist für mich nicht wirklich ein Problem, nur habe ich stets das Gefühl, dass man es dann auch merkt. Die Zusammenhänge werden oberflächlicher, die für die Spielsituation interessanten Details werden weniger.

    Deshalb habe ich es mir schon lange zur Gewohnheit gemacht, ausgiebige und vor allem ausformulierte, fast schon publikationsfähige Notizen zu machen. Diese fungieren weniger als Referenz während des eigentlichen Spielabends, sondern zwingen mich im Vorfeld dazu, mich mit den möglichen Situationen zu befassen, zu denen es kommen kann. Erst dadurch entsteht bei mir ein kohärentes und detailliertes Gesamtbild im Kopf, auf das ich dann selbstbewusst am Spieltisch zurückgreifen kann. Dabei schieße ich selbstverständlich auch oft über das Ziel hinaus und arbeite Elemente aus, die am Spielabend letztlich gar nicht auftauchen. Zwei konkrete Beispiele aus der Vergangenheit fallen mir dazu auch direkt ein.

    Vor etlichen Jahren fungierte ich als Spielleiter für Star Wars d20 und die Figuren wollten auf der imperialen Welt Eriadu einen Piloten finden, der die Hyperraumkoordinaten zu einer Welt außerhalb des Äußeren Rands besitzt. Leider wurde sein Schiff mitsamt seines R1-Astromechs konfisziert und sollte in den Eriadu Manufacturing Shipyards verschrottet werden. Für den Weg in die Fabrik hatte ich mir drei verschiedene Wege ausgedacht, inklusive des verstohlenen Einschleichens über die automatisierten Fertigungshallen und entsprechenden Hindernisse. Diese Route haben die Spieler aber nie eingeschlagen, und so liegt seit etwa sechs Jahren eine ausgearbeitete A4-Wordseite auf Halde. Aber wären sie diesen Weg gegangen – ich wäre darauf vorbereitet gewesen!


    In einem anderen Fall hat meine Runde vor etlichen Jahren wieder diverse DSA1-Abenteuer ausgegraben, bespielt allerdings mit Charakteren gebaut nach den damals aktuellen DSA4-Regeln. Nur so viel sei gesagt: Gut zusammen passt das nicht.

    Dennoch hatte ich aus meinem Fundus die alte Havena-Abenteuersammlung „Seuche an Bord“ hervorgekramt, um das titelgebende Szenario zu spielen. Hier müssen mehrere Seeleute gefunden werden, die sich vielleicht mit der hochansteckenden Krankheit der Schwarzen Wut infiziert haben. Für jeden gibt das Abenteuer dessen Weg durch die Hafenstadt und den letztlichen Aufenthaltsort an.

    Nun ist Havena aber in der ursprünglichen Box eher rudimentär beschrieben; man merkt den Texten klar an, dass hier Versatzstücke anderer amerikanischer Citybooks und aus heutiger Sicht DSA-untypische Elemente wie eine Diebesgilde oder nächtliche Vampire enthalten sind. Deshalb habe ich die Beschreibung der Stadtviertel mit der neueren, inhaltlich besser aufeinander abgestimmten Schilderung der ersten Albernia-Box für DSA2 (ja, immer noch alt, aber für mein Bauchgefühl immer noch aktuell genug) abgeglichen, um bei der Hatz nach den Seeleuten ein besseres Gesamtbild zeichnen zu können. Auch dabei ist eine Menge hintüber gefallen, aber dafür ich war für die Verfolgung jedes Infizierten ausreichend vorbereitet.


    Einen Vorteil hat diese übertriebene Vorbereitung aber langfristig doch gehabt: Ich habe gelernt, die Pläne meiner Spieler gut vorauszuahnen. Gut, allein das Beispiel aus Star Wars d20 zeigt, dass ich nicht vermag punktgenau ihre Aktionen zu antizipieren, aber wirklich überrumpelt haben sie mich schon geraume Zeit nicht mehr.

    Als Spieler bringe ich bei weitem nicht so viel Elan im Vorfeld auf. Ich bin schon froh, wenn ich mich bei dem sporadischen, bei Berufstätigen kaum zu vermeidenden Monatstakt unserer Runde überhaupt an die Ereignisse der vorangegangenen Sitzung erinnern kann.

     
  6. Und weil wir mitten in der Convention-Saison stecken, noch die traditionelle Bonusfrage: Auf einer Rollenspiel Convention spiele ich schon lange nicht mehr, weil mir für solche Veranstaltungen bis auf sehr wenige Ausnahmen schlicht die Zeit fehlt. Das mag sich mittelfristig aber ändern: Als langjähriger Pegasus-Supporter habe ich dieses Jahr auf der RPC erstmals nicht nur Brett- und Kartenspiele erklärt, sondern bin auch dem Kreis der Rollenspielsupporter für 7te See beigetreten. Damit spiele ich selbst zwar immer noch nicht, aber die Spielleitung ist ja schon die halbe Miete.


Die Blog-O-Quest
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Bildquellen
Kyle Ferrin: Warforged Portrait, via d20machine
R1-G4 via Wookieepedia
Diverse DSA-Titelillustrationen via Wiki Aventurica

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