Savage Worlds: Die neun Welten des Captain Future

31.01.2019
In einer nicht allzu fernen Zukunft haben die Terraner das Sonnensystem erforscht und Freundschaft geschlossen mit den Völkern der anderen acht Planeten. Von den Zwielichtstädten des Merkur über Mars' Wüsten und Jupiters Dschungel bis zu den Eisebenen des Pluto lauern Chancen und Gefahren. Bei den bedrohlichsten Schurken aber, die das gesamte System bedrohen, kann nur einer helfen: Captain Future, der größte Held des Sonnensystems!



Ein Held des Pulp
Moment, Captain Future? Der aus der Zeichentrickserie der frühen 80er mit der tollen Musik von Christian Bruhn? Aber der durchflog doch das ganze Weltall, um vom Planeten Megara bis zum Bame seine Abenteuer zu erleben? Ja. Und nein.

Ursprünglich stammt die Figur des Captain Future von Edmond Hamilton aus Pulp-Romanen der frühen 1940er. Damals konnte man mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über unser Sonnensystem noch etwas großzügiger umgehen; und so sind in der Vorlage nicht nur alle neun Planeten, sondern auch viele Monde bewohnt. So ist der Dschungelplanet Megara mit seinem seltsamen, Materie durchschreitenden Herrscher im Original der Jupiter - und das Flammenmeer dessen riesiger roter Fleck. Der Wasserplanet Bame mit den Graviumminen ist der Neptun; der Eisplanet, auf dessen Mond Dr. Zarro das Geheimnis des Illusionserzeugers gefunden hat, ist der Pluto. Durch diese eigenwillige Interpretation ergibt sich über die ganzen Geschichten ein faszinierendes Gesamtkonzept, das mich auch in fast vierzig Jahren nicht losgelassen hat.

Dieses Titelbild kennen viele vielleicht aus einer langlebigen Fernsehserie.


Deutsche Publikationen
Ich hatte Glück, dass mich damals in den frühen 80ern ein guter Freund auf dem Gymnasium eben darauf hinwies, dass die Vorlage von Captain Future eben doch ganz anders sei. Auf dem Wühltisch konnte ich noch einige Romane ergattern, die damals bei Bastei-Lübbe erschienen waren. Den Rest konnt ich mir zum Glück dann allesamt bei besagtem Freund ausleihen, so dass ich zum Glück in den Genuss der gesamten Geschichten kommen konnte.


Faszinierend ist, dass die Geschichten es praktisch unverändert in die Fernsehadaption geschafft haben. Ein paar Abstriche mussten wir damals natürlich dennoch machen: Jede Geschichte hatte im japanischen Original vier Folgen, viele wurden bei uns aber erbarmungslos auf drei gekürzt. Da die Asiaten auch nur eine Tonspur verwendet hatten, musste in jedem Land alles komplett neu eingespielt werden: Sprache, Geräusche und Musik. So ist zum Beispiel zu erklären, dass englische Originalnamen wie Ul Quorn oder Ezra Gurney über den Umweg des Japanischen mit seiner obskuren Silbenschrift ins Deutsche dann zu Vul Kuolun oder Eszella Garney geworden sind. Wenigstens bei der Musik hat sich das aber als unser Vorteil herausgestellt, denn wer einmal die Musiken aus anderen Ländern gehört hat, weiß die Kompositionen und Arrangements von Christian Bruhn danach umso mehr zu schätzen.

Aktuell sind die Geschichten übrigens wieder in deutscher Übersetzung erhältlich: Der Golkonda-Verlag hat sich vorgenommen, alle Geschichten um Captain Future neu zu übersetzen, und hat zum jetzigen Zeitpunkt bereits neun Bücher veröffentlicht. So werden in absehbarer Zukunft erstmals wirklich alle Romane in deutscher Sprache vorliegen.


Captain Future und das Rollenspiel
Auch wenn die Geschichten um Captain Future und ihre Geheimnisse doch zumindest bei meiner Generation gut im Gedächtnis geblieben sein sollten, so schrie das ganze in meinen Augen dennoch nach einer Adaption zum Rollenspiel. Als System erschien mir Savage Worlds passend, das mit seinen zahlreichen Pulp-Quellenbüchern und -Abenteuern schon einen passenden Rahmen anbietet.


Bei der Recherche zur Konvertierung habe ich vornehmlich in meinen alten Ausgaben von Bastei-Lübbe gewälzt, im Netz habe ich zusätzlich die sehr hilfreichen Seiten von Robert Weinberg, die französische Fanseite Le Site du Capitaine Flam und Pulpcovers gefunden. Von dort stammen nicht nur die ganzen alten Illustrationen aus den 40ern, die ich freimütig übernommen habe, sondern auch zusätzliche Hintergrundmaterialien. In den englischen Originalausgaben waren nämlich im Anhang zwei bis drei Seiten entweder den Figuren oder den besuchten Planeten gewidmet. Allein diese Texte sind Gold wert, weil sie weit über die Elemente in den Geschichten hinausgehen. So bin ich letztlich selbst entsetzt, dass bei dieser Konvertierung am Ende über vierzig Seite herausgekommen sind...

Dann also viel Spaß bei der Lektüre und vielleicht auch beim Spielen - auch gern mit der Musik von Christian Bruhn.


Zuletzt: Der Download

Savage Worlds Fanwerk - Die Neun Welten (pdf 9,26 MB)















Dieser Artikel ist ein Beitrag zum Karneval der Rollenspielblogs im Januar 2019 mit dem Thema "Zeitsprung". Die Moderation liegt bei Glorias NerdGedanken, alle Beiträge des Monats werden zudem in diesem Thread des Forums der Rollenspielblogs aufgelistet.


Illustrationen
Via Pulpcovers und Le Site du Capitaine Flam

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