10 Rollenspielbücher aus 400

03.08.2012

Seit einigen Tagen wogt eine Listenmanie durch die deutschen Rollenspielblogs. Inspiriert vom englischen Blog Untimately griff die Analogkonsole als erster die folgende Frage auf: Wenn Du nur 10 deiner Rollenspielbücher behalten dürftest, auf welche fiele dann deine Wahl?
Nach langem Überlegen habe nun auch ich mich entschieden.


Die Zehn
Derzeit beläuft sich meine Rollenspielsammlung laut RPGGeek auf genau 400 Titel. Folgende dürfen überleben:


True 20 Adventure Roleplaying
In meinen Augen hat Green Ronin hier die bis heute beste Variante von d20 veröffentlicht. Die geradlinigen Mechanismen sind noch da, wurden aber um sämtlichen Ballast entschlackt, den D&D über die Jahre angesammelt hat....








Ptolus - City by the Spire
Wenn ich schon ein d20-Produkt in meine Liste aufnehme, dann brauche ich auch ein passendes Setting, um darin zu spielen. Stadtquellenbücher waren schon immer ein Faible von mir; und Ptolus bietet auf hunderten von Seiten eine detailliert ausgearbeitete Stadt speziell für abenteuerlustige Helden samt weitreichendem Verlies darunter. Die penible Indexierung am Seitenrand ist schließlich das Tüpfelchen auf dem i.







Earthdawn 3e Player's Guide
Noch mehr Fantasy. Wie schon viele andere Listenschreiber vor mir festgestellt haben, hat Earthdawn nun einmal eine der stimmungsvollsten Welten überhaupt: Heroische Adepten befreien ihre Provinz von den letzten Resten der Geißel durch die alles verschlingenden Schrecken, vor denen man sich Jahrhunderte unter der Erde verstecken musste. Das Regelsystem ist zwar klobig und kann sein Alter von fast zwanzig Jahren nicht verhehlen, aber die Verknüpfung von Hintergrundwelt und Spielmechanik ist selten so gut gelungen.



Earthdawn 3e Gamemaster's Guide
Das passende Gegenstück zum Player's Guide fokussiert sich gar nicht mal so sehr auf das Spielleiten, sondern vielmehr auf eine Fülle an Informationen zur Provinz Barsaive. Eine frühere Edition von Earthdawn hätte es sicher nicht in meine Liste geschafft, aber der aktuelle Gamemaster's Guide vereint zum Glück das reichhaltige Material von ursprünglich fünf Quellenbüchern in einem Band.





Savage Worlds Explorer's Edition
Savage Worlds ist ein weiteres Beispiel für ein schlankes und kompaktes Regelsystem genau nach meinem Geschmack. Meine Wahl für die Explorer's Edition fusst weniger auf der Regelversion, als vielmehr auf dem kompakten Format zu einem unschlagbaren Preis - für mich bis heute das ideale Einsteigerprodukt.






Sundered Skies
Mein Lieblingssetting, auch wenn schon wieder Fantasy, darf bei der Wahl für Savage Worlds natürlich auf keinen Fall fehlen. Die Idee der fliegenden Eilande inmitten eines in den Wahnsinn treibenden leuchtenden Äthers ist schon ansprechend genug; dazu kommt allerdings noch eine wirklich runde Plot Point Campaign sowie ein wirklich umfangreicher Generator für alle möglichken Abenteuer ganz nach dem Geschmack der Spielrunde.




Transhuman Space
Wirklich harte Science Fiction, die ein nachvollziehbares Bild unserer Welt im Jahre 2100 aufgrund der zu erwartenden technischen Entwicklungen zeichnet. Diverse Kolonien im Sonnensystem gepaart mit genetisch modifierten Menschen für die diversen Umgebungen, spielbare Computer-AIs und der immer noch vorherrschende Wettlauf der Nationen reizen mich schon seit Jahren zum Spielen. Obendrauf wird noch mit Gurps 3e light das Regelsystem dazu geliefert - was direkt wieder ein Buch auf der Liste einspart.



Gurps Infinite Worlds
Dieses Quellenbuch bietet wirklich unbegrenzte Möglichkeiten: Neben der Beschreibung dutzender Parallelwelten, die allesamt zeigen, wie kleine Begebenheiten den Lauf der Geschichte ändern können, beinhaltet Infinite Worlds auch noch die diversen Organisationen und Machtverhältnisse unter denen, die sich im Wettlauf um die Vorherrschaft im Multiversum befinden.





Fiasco
Ambitionierte Pläne werden fehlschlagen und Hoffnungen enttäuscht. Fiasco bietet pure erzählerische Freiheit mit einem minimalen Korpus an Regeln, die dazu noch kaum Einfluß von außen auf den Verlauf der Geschichte nehmen - alles liegt in der Hand der Spielrunde.






Toon
Schräger infantiler Humor in der Tradition der Warner-Brothers-Cartoons darf auf dieser Liste einfach nicht fehlen. Kein anderes Rollenspiel lädt in meinen Augen so sehr dazu ein, einfach nur herzerfrischenden Blödsinn zu machen und die Geschichte hinten an zu stellen.







Knapp ausgeschieden
Natürlich habe ich vor der finalen Entscheidungen noch andere diverse Titel erwogen, die aber wegen der beschränkten Zahl der Plätze leider im Vorfeld ausscheiden mussten:

Borbarads Erben
Die Pervertierung des ach so harmonischen Aventurien in den Schwarzen Landen wäre für mich der einzige Anreiz, überhaupt noch DSA zu spielen. Bedenke ich aber das furchtbar schwerfällige und unübersichtliche Regelsystem dazu, dann möchte ich das doch lieber nicht.

Inspectres
Die Idee, einen Franchise von Geisterjägern nach dem Vorbild eines gewissen Films aus den frühen 80ern zu spielen, ist schon großartig. Ergänzt um einen sehr freien Erzählmechanismus, der gerade den Spielern sehr viel Einfluss ermöglicht, wäre eigentlich ein Platz in der Liste drin gewesen - wenn meine Runde sich mit eben solchen freien Erzählspielen nicht so schwer täte und schon diverse Versuche, Inspectres auf den Tisch zu bringen, abgeblockt hätte. Solche Niederlagen prägen eben.

Gurps Warehouse 23
Ein Quellenbuch voll mit wirklich seltsamen Gerätschaften und obskuren Funden, die nicht in falsche Hände gehören. Für die Liste aber ist dieses Quellenbuch dann aber eben doch zu speziell.

The World's Largest Dungeon
Ohne Ptolus wäre die Wahl vielleicht auf dieses Riesendungeon gefallen. Es bemüht sich zwar arg, alle Monster des SRD unterzubringen und hat auch eine nette Begründung für die Existenz des Komplexes, aber Ptolus ist in sich einfach runder und geschlossener.

Hollow Earth Expedition
Pulp-Abenteuer mit Nazis als Widersachern sind immer sympathisch; und auch das schlanke Regelsystem spricht mich an - aber Nazis deckt meine Liste zum Glück schon mit Infinite Worlds ab.

Star Wars Saga Edition
Nichts gegen West End Games und deren d6-System, aber ich halte d20 für eine gute Wahl, um darin Star Wars zu bespielen - schließlich sind die Akteure in dieser Weltraumoper überlebensgroße Helden; und so etwas bildet d20 hervorragend ab. Die Saga-Edition ist in meinen Augen die beste der drei WotC-Varianten, die nach Setting sortierten Quellenbücher gaben zusätzlichen guten Lesestoff ab, und hätten diese Liste mit ziemlicher Sicherheit gesprengt.


Die Qual der Wahl
Ich bin selbst erstaunt darüber, wie eng in meiner Liste mitunter System und Hintergrund verzahnt sind.
Leider ist es in diesem Hobby nun einmal so, daß ein einzelnes Buch nicht unbedingt mit einem in sich geschlossenes Spiel gleichzusetzen ist. Oft werden Regeln und Hintergrund auf verschiedene Publikationen aufgeteilt, so dass also die Entscheidung für einen tollen Weltenband notwendigerweise das dazugehörige Regelwerk einschließen muss.

Natürlich kann man auch schlicht das eigene Lieblingssystem auf Platz 1 der Liste setzen und die restlichen neun Plätze nur mit diversen Quellenbänden anderer Regelsysteme füllen. Die dazugehörige Konvertierungsarbeit ist mir persönlich aber zu anstrengend - wenn ein Hintergrundband auf meiner Liste für System X geschrieben ist, so gehört auch das passende Regelwerk auf einen der begehrten Plätze.
Indie-Rollenspiele machen es mir da schon einfacher, da hier zumeist ein kleines Softcover den Hintergrund und die dazugehörigen Mechanismen vermittelt. So raffiniert viele dieser Spiele auch sind, so haben sie doch einen Nachteil: Sie erzählen zumeist nur eine spezielle Art von Geschichte - und wenn ich nur zehn Bücher auswählen kann, muss mir diese Art von Geschichte schon sehr gut gefallen.

Bei meiner anderen Passion, den Brettspielen, wäre diese Frage für mich unvergleichlich einfacher zu beantworten gewesen, denn dort ist ein Produkt auch direkt in sich abgeschlossen. Natürlich gibt es auch - gerade bei populären Spielen - Erweiterungen, aber die sind eben nur Zusätze, während das Original für sich allein weiterhin spielbar ist.

So bleibt eine Liste, die zwar einige Kompromisse erzwang, aber mit der ich eigentlich doch ganz zufrieden sein kann. Eine Aufzählung aller bisher publizierten Listen findet sich im Rollenspiel-Almanach.

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