Das Wasser des Lebens

27.09.2014
Die Welt der Märchen kennt die Geschichte vom Wasser des Lebens, das Siechtum und Krankheit auf der Stelle zu heilen vermag. Diverse Varianten dieser Erzählung berichten von seinem Fundort in einem verwunschenen See, auf einem hohen Berg oder in dessen Inneren. Im mythischen Europa von Ars Magica ist dies mehr als nur eine Sage - tatsächlich führen verschiedene verborgene Tore von der Menschenwelt in das Feenreich und zur Quelle des Wassers.


Ein Märchen und seine Versionen
Die Geschichte vom Wasser des Lebens findet sich in unterschiedlichen Versionen in den Kulturkreisen Europas und des nahen Ostens, wie hier ausführlich zusammengefasst. Gemein ist den verschiedenen Fassungen aber immer folgendes: Der Finder des Wassers erhält bei seiner Suche dank seiner Selbstlosigkeit Hilfe von den Kreaturen der Umgebung, und der Zugang zur Quelle in gebirgiger Landschaft ist zumeist nur zu bestimmten Zeiten erreichbar. Auch berichten einige Varianten von einer weiteren Quelle, die sich am Ziel der Queste befinden soll, etwa dem Wasser des Todes oder dem Wasser der Schönheit.

Dies sind auch die Begebenheiten, die das Wasser des Lebens im mythischen Europa von Ars Magica verborgen halten. So liegt der eigentliche Quell des Wassers in Wirklichkeit im Feenreich Elysium, dem Land der Legenden und Märchen. Allerdings finden sich in den Tribunalen verschiedene Zugänge, die alle zu diesem Ort führen. Jede dieser Pforten zum Feenreich liegt in einer Region, die bereits eine starke Feenaura besitzt, und bei jeder muss der Suchende zunächst einen Wächter an der Schwelle passieren, um zum Wasser des Lebens zu gelangen. Dieser Hüter gibt, so er sein Gegenüber nach einer Prüfung als würdig erachtet, die nötigen Hinweise für die weitere Reise und lockt Unwürdige in die Irre oder bestraft sie sogleich. Der Wächter, seine Prüfung und das Umfeld des Zugangs unterscheiden sich je nach der Region in der irdischen Welt, in der man sich befindet.

Zudem öffnet sich jeder Zugang nur zu einer bestimmten Zeit, hat man seine Queste nicht rechtzeitig absolviert, so ist man zunächst im Schloss mit der Quelle gefangen. Allerdings kann es passieren, dass der Eingesperrte zu einer Zeit die Pforte seines Gefängnis passiert, da diese wieder geöffnet ist - und sich plötzlich in einem ganz anderen Teil des mythischen Europa und bei einem anderen Zugang wiederfindet. Zumindest die Zeit allerdings verläuft bei der Quelle normal, während einer Stunde im Feenreich vergeht auch eine Stunde in der Menschenwelt.


Das Tor im Rheintribunal
Der südliche Schwarzwald ist seit langem eine Wildnis unter Herrschaft der Feenwesen. In seiner südlichen Hälfte herrscht König Fir von seinem Thron auf dem Gipfel des Feldbergs aus, während Bockmänner den Wald selbst unsicher machen. Auf diesem höchsten Berg des Schwarzwaldes befindet sich auch der Feldsee, auf dessen Oberfläche zur Mitternachtsstunde zwischen 11 und 12 Uhr ein Schloss erscheint. Im Innern dieses Gemäuers liegt auch die Quelle des Wassers des Lebens.

Der Wächter der Schwelle im Schwarzwald ist ein unscheinbarer Zwerg, der nur einem selbstlosen Sucher den Fundort der Quelle verrät. Wird er hingegen arrogant und herablassend zur Rede gestellt, so schickt er sein Gegenüber stattdessen in das schwer begehbare Wildflusstal der aus dem See gespeisten Wutachschlucht, auf dass man sich dort verirre, oder treibt in die Hände der furchteinflössenden Bockmänner.


Das Tor im transsylvanischen Tribunal
Die transsylvanische Pforte ist besonders schwer zugänglich, ist diese Region des mythischen Europa doch bekannt für die Vielzahl an Ungeheuern und anderen Kreaturen, die hier hausen. Das Tor zum Wasser des Lebens befindet sich in den Karpaten im Osten des Königreichs Ungarn, an deren Nordende sich die Walachen niedergelassen haben. Ähnlich dem Rheintribunal materialisiert sich das Schloss mit der Quelle zur Mittagsstunde zwischen 11 und 12 Uhr auf einem Gletschersee im Gebirge.

Als Wächter der Schwelle fungieren im transsylvanischen Tribunal diverse Feenwesen in Tierform, die den zumeist von den Strapazen der Reise hungrigen Sucher der Quelle bitten, sie nicht zu jagen. Zeigt man Mitleid mit den Kreaturen, so kann es sogar sein, dass diese einen sogar aktiv bei der Queste unterstützen. Diese Hilfe ist auch nötig, denn es kann vorkommen, dass einer der zahlreichen Drachen in den Karpaten - in diesem Tribunal kein seltener Anblick - die Quelle für sich beansprucht und zuerst ausgetrickst oder erlegt werden muss.


Das Tor im mythischen Mittleren Osten
Auch in Landen abseits des Orden des Hermes berichtet man von einem Zugang zum Wasser des Lebens. Das Trockental von 'Abqar in der arabischen Provinz Asir war laut Legenden schon in vorislamischer Zeit Heimstadt von Dschinni. Diese sollen die alten arabischen Barden und Poeten zu ihren größten Werken inspiriert haben, und dienen auch als die Wächter der Quelle. Nur selten zeigen sie sich dabei offen, sondern versuchen, ihr Opfer mit unsichtbaren und verwirrenden Spottreden in die Irre zu führen. Sollte ein Dschinn sich doch dem Sucher der Quelle offenbaren, so gibt er sich zwar als Verbündeter aus, führt aber stattdessen in die Irre. Zumeist ist es besser, die Kreatur gewitzt auszutricksen.

Die Pforte zur Quelle selbst öffnet sich nur in den kurzen und seltenen Gelegenheiten, wenn das steile Trockental von 'Abqar in der Regenzeit schlagartig zum reißenden Fluss wird. Schafft es jemand, diese gefährliche und unwegsame Strecke zu meistern, so findet er einen von Stromschnellen umtosten Vorsprung das Tor zum Wasser der Lebens.


Gerüchte über andere Pforten
Andere Varianten der Märchen und Legenden über das Wasser des Lebens deuten auf weitere Pforten. So soll es eine weitere irgendwo in Skandinavien außerhalb des Einflussgebiets des Orden des Hermes geben. Ein anderer Zugang befindet sich angeblich im Iberischen Tribunal auf dem Berge Montserrat, dieser ist aber bisher von keiner Quelle des Ordens bestätigt.


Die Quelle des Wassers
Hat man die Pforte nach Elysium durchschritten, findet man sich in einem schlichten schlossartigen Gemäuer wieder. Das Gebäude ist völlig verlassen, nur manchmal mag es sein, dass ein Wächter der Pforte für eine weitere Prüfung ins Innere folgt. Der Ort ist nicht sehr weitläufig, schaut man aber durch die wenigen Fenster oder Innenhöfe nach draußen, so sieht man über sich den Sternenhimmel, obwohl die Pforte doch eigentlich ins Berginnere geführt hat. Der kleine Bau ist um einen zentralen offenen Innenhof angelegt, in dessen Mitte aus einem Brunnen das Wasser des Lebens sprudelt.

Tatsächlich finden sich sogar vier Fontänen an der zentralen Säule, die alle eine starke Wirkung haben: Neben dem Wasser des Lebens, das Krankheiten und Verletzungen sofort heilt, finden sich hier auch das Wasser des Todes, der Jugend und des Alterns. Eine genauere Betrachtung der Wasserspeier, aus deren Maul das Wasser hervorplätschert, gibt einen dezenten Hinweis auf die jeweilige Wirkung. Eine magische Analyse offenbart eine starke Konzentration an Creo Corporem und Perdo Corporem. Der Spielleiter mag sich bei den Effekten der Quelle an den entsprechenden Zaubern des Ars-Magica-Grundregelwerks orientieren.
Das Wasser in dem zentralen Brunnenbecken, in dem sich alle vier Quellen sammeln, hat keinerlei Effekt mehr, nur direkt am Wasserspeier zeigt es seine Wirkung.





Dieser Artikel ist Teil des Karnevals der Rollenspielblogs im September 2014 zum Thema "Wasser". Die Moderation liegt bei Clawdeen, alle Beiträge des Monats werden zudem in diesem Thread des Forums der Rollenspielblogs aufgelistet.

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