Ein Blogstöckchen von d6ideas

14.06.2016
Fragen über Fragen - so kann man wohl die diversen Blogstöckchen bezeichnen, die derzeit innerhalb der Rollenspielblogger umherfliegen und von denen mich unlängst wieder eines am Kopf getroffen hat.

Geworfen haben es d6ideas, und ein gewisses ironisches Augenzwinkern, das in jeder Frage mitschwingt, macht das Stück Holz direkt sympathisch.


1. Habt ihr schon einmal das antike Rom als Rollenspielsetting genutzt? Wenn ja: Optimaten oder Populares?

Nein, habe ich noch nicht. Ich hatte allerdings mal die Grundzüge für ein Szenario mit GURPS Infinite Worlds erdacht, bei dem die Charaktere einen Artefaktdieb über verschiedene Parallelwelten verfolgen. Der Artefaktfund findet auf einer leblosen, zur Minenwelt degradierten Erde statt, danach flüchtet der Schurke in das von Tesla-Technologie durchzogene Gernsback. Dort hätte er dann sein Sprunggerät am Tesla-Eiffelturm aufgeladen und mit seinem Stromverbrauch halb Paris in Finsternis gestürzt, bevor er sich dann zu seinem Auftraggeber in Roma Aeterna begibt. Dieser wäre natürlich Mitglied der Oberschicht gewesen, so dass die Antwort auf die zweite Frage nach diesem verschlungenen Umweg lauten muss: Optimaten.


2. Sind euch historische Settings in Reinform oder mit zusätzlichen fantastischen Elementen lieber?

Der Verlauf der Geschichte ist als Grundlage für Recherche und eigene weitergesponnene Ideen immer willkommen, in einem Setting habe ich aber gerne eine pfiffige Idee als Alleinstellungsmerkmal und Anreiz, mich überhaupt damit zu beschäftigen. Dies läuft dann natürlich oft auf ein fantastisches Element hinaus.

Seltsamerweise nutze ich aber für meine wenigen selbstgebauten Fiasko-Kulissen sehr gerne historische Momentaufnahmen ohne jegliche Phantastik. Vielleicht liegt es ja daran, dass man hier mit der Verschlagwortung einen angenehm weiten Rahmen schlagen kann, der für einen einzigen Spielabend die jeweiligen Eigentümlichkeiten der Epoche gut vermitteln kann. Tatsächlich brodelt in meinem Hinterkopf schon seit längerem die Idee für eine Kulisse im Rahmen des Wiener Kongresses...


3. Fade-to-black oder ERP?

Ohmeingottbittefadetoblack. Nennt mich ruhig altmodisch, spießig und verklemmt, aber diese Facette der menschlichen Zweisamkeit ist für mich etwas sehr persönliches, das ich nicht am Spieltisch ausleben muss.


4. Worauf würdet ihr barfuß lieber treten, Lego oder einen W4?

Lego, denn dessen Steine tun wenigstens ein bisschen so, als wären sie flach.


5. Warhammer Quest oder Advanced Heroquest?

Gespielt habe ich von den beiden nur Warhammer Quest, und dank meines fortgeschrittenen Alters habe ich auch nur noch rudimentäre Erinnerungen daran. Irgendwo im Keller liegt neben diversen anderen GW-Miniaturen vermutlich auch noch der von mir verkörperte Zauberer, dessen Figur ich damals wonnevoll extra knallbunt angemalt habe.


6. Wenn ihr von all euren Rollenspielen nur eine Edition behalten könntet – und zwar für alle die mit der gleichen Editionsnummer (also zum Beispiel Shadowrun 5 und D&D 5 und DSA 5, aber nicht Shadowrun 2, D&D 3 und DSA 4), welche wäre es?


Knifflig, zumal die aktuellen Fassungen diverser Platzhirsche und unverwüstlicher Klassiker (wie z. B. Pendragon oder Ars Magica) ja munter ein breites Spektrum an Ziffern in ihren Editionszählungen mitbringen. So antworte ich denn auch eher schlitzohrig: Die erste Edition, auch wenn ich die bei zahlreichen Titeln in meinem Regal nicht besitze oder jemals gespielt habe. So erspare ich aber meinem raffgierigen Sammlerherz den Infarkt, weil die ganzen kleinen Titel, die es nicht einmal zu einer zweiten Edition gebracht haben, erhalten bleiben.


7. Stört es euch, wenn jemand euch beim Spielen zusieht?

Die meisten Spielrunden finden natürlich in heimischen Gefilden eines der Spieler statt, wo wir dann auch in Ruhe gelassen werden. Ich habe aber auch vor langer Zeit Demorunden auf der Spiel geleitet, darunter auch für Pegasus deutsche Fassung von Kobolds Ate My Baby – da zieht man bei jedem inbrünstigen „Lang lebe König Torg!“ die Aufmerksamkeit der flanierenden Massen automatisch auf sich, und geniesst es.


8. Rechtschaffen oder gut?

Ich mag die Vorstellung, im Rollenspiel einen Helden und Gutewicht zu spielen – vielleicht spielt da auch ein wenig die vermaledeite DSA-Prägung mit hinein, wo man ja die Spielercharaktere partout als „Helden“ bezeichnet. Insofern haben meine DnD-Charaktere häufig mindestens eine dieser Gesinnungen, und auch in anderen Systemen hätten sie das wohl, wenn diese Spiele diese rigide moralische Einordnung vornähmen.


9. Mittelmäßige Übersetzungen zeitnah oder sehr gute Übersetzungen mit deutlicher Verzögerung?

Wenn ein veröffentlichtes Produkt höchsten Ansprüchen zu genügen vermag, ist selbst eine deutliche Verzögerung irgendwann vergessen. Wenn aber einmal Mittelmaß publiziert ist, bleibt es auch dauerhaft Mittelmaß. Aus irgendeinem Grund habe ich hier die Produktpolitik von Blizzard Entertainment vergangener Zeiten im Hinterkopf: Wie oft haben diese auf die Nachfrage nach einem neuen Warcraft, Starcraft oder Diablo schlicht geantwortet mit „Wenn es fertig ist.“ – und das Resultat hat ihnen Recht gegeben.


10. Auf einer Skala von Schmierblattkritzelei-mit-Würfeln-drauf bis maßstabsgetreues-bemaltes-3D-Gelände-mit-passenden-Miniaturen, wie opulent mögt ihr eure Battlemaps?

Richtige Battlemaps haben sich in meiner Runde nie wirklich durchsetzen können. Als ich eine Weile Savage Worlds geleitet habe, habe ich konsequent die Bodenpläne und Figure Flats vorbereitet, was meine Gruppe recht possierlich fand. Da es die Abwicklung des Kampfs aber für mein Gefühl wesentlich beschleunigte, war es diese Vorarbeit in meinen Augen wert. Inzwischen nutzen wir Bodenpläne konsequent, wenn auch minimalistisch: Zwei von uns besitzen das handliche Noteboard (das übrigens ganz wunderbar meinen Fetisch für kompakten Schnickschnack im Hosentaschenformat befriedigt), zudem führe ich in meinem All-Rolled-Up eine Handvoll an Holzpöppeln und –scheiben aus generischen Brettspielen mit.


11. Wenn ihr uns zwingen könntet eine (1) Rezension zu schreiben, welche wäre es?

SLA Industries. Immerhin handelt es sich um eines eurer Leib-und-Magen-Systeme, für das d6ideas regelmäßig Material publiziert. Gleichzeitig ist es aber schon ein gewisser Exot, in den in mich nie eingearbeitet habe, so dass ich einen Überblick von Leuten, die es regelmäßig spielen, sehr zu schätzen wüsste. Dabei würde ich auch den wohl unvermeidlichen Blick durch eine rosarote Brille verzeihen…


Geht man das oben beantwortete Blogstöckchen übrigens wieder einige Schritte zurück, so landet man über d6ideas und Neue Abenteuer schließlich bei Nandurion, die auch die Teilzeithelden beworfen haben. Deren Fragenkatalog habe ich also an anderer Stelle auch schon beantwortet.

Da auch erst vor wenigen Wochen etliche Stöckchen in der doch recht überschaubaren Gemeinschaft von Rollenspielbloggern umherflogen, verzichte ich auf eigene neue Fragen (die beim letzten Stock gestellten sollen reichen) und sammle die Stöcke lieber als Brennholz für den nächsten Winter.

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