Monsterbande, ein Erzählspiel

26.05.2013
Bereits im Januar habe auf diesem Blog schon kundgetan, dass für mich der beste Einstieg in unser Rollenspielhobby in jungen Jahren mit einfachen Erzählspielen zu vermitteln ist. Mein neues Werk "Monsterbande" versucht genau das und wendet sich an Kinder im frühen Grundschulalter.


Für ganz junge Spieler
"Monsterbande" ist für Kinder ab 6 Jahren konzipiert. Die angestrebte Spieldauer von etwa einer halben Stunde liegt bei der zu erwartenden Aufmerkamkeitsspanne dieser Altersgruppe. Auch die Regeln der angestrebten Geschichten sind dabei wenig komplex, sondern sollen einfach nur zum spassigen Erzählen und Improvisieren anregen. Mit wenigen Schlagworten können die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen, und wenn dabei nur lustiger Unfug wie etwa bei der Sesamstrasse (einer meiner Inspirationsquellen) herauskommt, so kann mir das nur recht sein.


"Monsterbande" in Kürze
Das Spiel umfasst 28 illustrierte Seiten im Format Din A5 (Download am Ende dieses Artikels) mit ausführlichen Beispielen; für Ungeduldige lassen sich die Regeln aber auf wenige Absätze zusammenfassen.

Ein Monster wird definiert durch die drei Attribute Maul, Hände und Füße, auf die insgesamt 5 Punkte in Form von Glassteinen - hier Monstersteine genannt - verteilt werden. Für jeden Attributspunkt nach dem ersten hat das Monster ein besonderes Talent, etwa Pusten, Klatschen oder Hüpfen.

Geschichten - fünf davon werden bereits mitgeliefert - umfassen 15 einfache Schlagworte zum jeweiligen Thema, von denen in einer Sitzung 10 erzählt werden sollen. Dazu geht der Posten des Erzählers reihum, und das jeweilige Kind sucht sowohl ein Schlagwort als auch eines seiner Attribute aus, mit dem es dieses angehen will - sofern es für auf diesem noch einen Monsterstein übrig hat. Die verbleibenden Kinder können reihum an der Szene teilnehmen, müssen aber das gleiche Attribut nutzen wie der Erzähler und somit auch noch über einen passen Monsterstein verfügen.

Dann darf die Runde frei erzählen, was passiert: Aus der Kombination "Sandburg" und "Maul" kann etwa werden, dass ein Monster Sand zu einem Haufen zusammenpustet und ein anderes Fenster hineinbeisst. Umso besser ist natürlich, wenn dabei ein Talent zum Einsatz kommt.

Nun muss geprüft werden, ob die Monster dadurch zusammen etwas erreichen oder ob doch nur ein Durcheinander entsteht. Aus einem Beutel mit 20 Glassteinen in verschiedenen Farben - hier Glückssteine genannt - zieht der Erzähler 1 je teilnehmendem Monster und 1 je eingesetztem Talent. Allerdings kann der Erzähler entscheiden, statt 3 Steine zu ziehen einfach einen Glücksstein gezielt aus dem Beutel zu suchen - Zusammenarbeit der Monster lohnt also.

Je nach gezogener Farbe mündet die Szene in Jubel oder Trubel, die größere Zahl entsprechender Steine entscheidet. Im obigen Beispiel kann bei Trubel etwa passieren, dass das eine Monster nur Staub aufwirbelt und das andere aus Versehen die halbe Burg aufisst. Ist die Nettosumme von Jubel oder Trubel besonders hoch, erhält für je 3 entsprechender Glückssteine der folgende Erzähler 1 bereits im Voraus - Glück und Pech können halt abfärben.

Die gezogenen Glückssteine kommen beim Wechsel der Erzählerrolle nicht in den Beutel zurück, sondern erst, wenn eine bestimmte Farbe (die 2mal im Beutel ist) gezogen wurde. Damit ist auch sichergestellt, dass etwa nach mehreren Szenen voller Trubel auch wieder Jubel folgen wird, einfach weil die ganzen Trubelsteine schon weg sind.

Wie oben bereits erwähnt ist nach dem Erzählen des zehnten Schlagworts die Partie beendet. Ob dabei ein dramatischer roter Faden entsteht oder einfach nur eine lustige Situation auf die andere folgt, werden die Kinder durch ihre Ideen schon selbst entscheiden.


Eine Kopfgeburt
Ehrlicherweise muss ich darauf hinweisen, dass ich "Monsterbande" noch nicht ausprobiert habe. Meine eigenen Zwillinge sind mit ihren derzeit vier Jahren noch zu klein, und auch im Freundeskreis gibt es keine Kinder des gewünschten Alters. So musste ich mich bei der Entwicklung eben auf mein Bauchgefühl und passende Literatur (etwa die hervorragende Serie "Spiele entwickeln") verlassen. Vielleicht komme ich ja in zwei Jahren dazu, mit meinen Jungs die eigene Monsterbande zusammenzustellen.

Update: Im August 2014 habe ich mit meinem Nachwuchs im Alter von fünfeinhalb doch tatsächlich mal ein Testspiel wagen können. Ich habe die Runde zu einem ausführlichen Bericht samt nachdenklicher Verbesserungsmöglichkeiten zusammengefasst.


Der Download
Monsterbande (pdf 2.78MB)



Dieser Artikel ist Teil des Karnevals der Rollenspielblogs im Mai 2013 über das Thema "Monster". Die Moderation liegt bei Edvard Elch von Droemte mig, alle Beiträge des Monats werden zudem in diesem Thread des Forums der Rollenspielblogs aufgelistet.


Illustrationen
Klaus Westerhoff: "Monsterbande", "Uggrt telefonert", "Ommod wäscht ab" Creative Commons CC BY-NC-ND 3.0
Klaus Westerhoff: "Beutel" Creative Commons CC BY 3.0

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