Charakterskizzen

30.04.2019
Der Escapodcast hat in vergangenen Folgen diskutiert, was genau denn ein Rollenspieler in seinem Hobbyleben alles vollbracht haben muss, um sich wirklich als Rollenspieler bezeichnen zu können. Wirklich aufhorchen ließ mich aber nur eine propagierte Pflicht: "Ein Bild von seiner Figur selber zeichnen, zeichnen lassen oder ein Foto/Bild verwenden." Grund genug, mal die eigenen vergilbten Charakterbögen zu durchforsten.


Zunächst: Die Unauffindbaren
Alle Charakterbilder und -skizzen habe ich bei meiner spontanen Suche nicht gefunden. Darunter sind leider auch die Bilder Etidas Abendwind in DSA1. Inspiriert/abgezeichnet waren sie jedenfalls zu einem guten Teil von der Illustration des Waldelfen aus dem DSA1 Abenteuer-Ausbauspiel, bei einer späteren Skizze kam noch ein kräftiger Einfluss von den Franziskanerkutten aus „Der Name der Rose“ hinzu, der zu diesem Zeitpunkt mit großem medialem Getöse in den Kinos anlief.

Auch verschollen ist zunächst meine Figur in Earthdawn 1e, der Trollschmied Horg Glauskog. Allerdings habe ich sie als verbesserungswürdig in Erinnerung: Gerade die Hörner, betont asymmetrisch und verdreht, hätten besser sein können.


AD&D 2e
In meiner Gymnasialzeit wurde aber vor allem AD&D gespielt. Mit den zahlreichen Settings, die TSR damals (zu seinem eigenen späteren Verhängnis) auf den Markt geworfen hatte, verfügte in der Gruppe, zu der ich damals gestoßen war, jeder der Teilnehmer auch über „sein“ Setting, das er exklusiv leitete. Alle Charaktere habe ich damals - warum auch immer - nicht illustriert, aber einige sind wieder aufgetaucht. Interessanterweise waren dies allerdings Figuren, die nicht oft auf den Tisch kamen.

Da wären zunächst die Priesterechse K'Zoh'F'Fech chy für das damals brandneue Spelljammer. Allerdings offenbart die Klarsichthülle, dass ich damals sehr dreist abgezeichnet habe von der Skizze des künstlerisch mehr als begabten Spielleiters Oliver. Gleiches gilt für den Sky Gnome Boeing Skyratchet in Mystara, allerdings ist meine Illustration da wenigstens ein eigenes Motiv.
Einer meiner langlebigsten AD&D-Charaktere, ein Ritter von Krynn, hat nie ein Bild spendiert bekommen, dafür aber sein Nachfolger, ein Goblinschamane vom Kontinent Taladas. An den Barden Ghelin für die Forgotten Realms kann ich mich nicht einmal mehr erinnern, aber laut Bogen hat er es bis zur 5. Stufe geschafft.

 

 

 



Runequest und Ableger
Beim Durchforsten meiner Charaktermappen musste ich feststellen, dass wir sehr viel Runequest bzw. dessen modifiziertes W100-System gespielt haben, dazu einige der dazu lizensierten Ableger. Den Elfen Sigh zu Elfquest und den Krieger Arkheg Rhakakyr aus Sturmbringer habe ich sogar kurz gespielt, meine ich. Den Schattenelfen Glardenon kann ich allerdings gar nicht mehr zuordnen...

   



Trakayn
Sehr viel bespielt wurde die von Oliver entwickelte Welt Trakayn, bei der wir nicht nur eine ganze Kampagne, sondern auch zahlreiche Kurzabenteuer über vier, fünf Sitzungen vollendeten. Illustriert habe ich keinen davon, aber Oliver hat zumindest einmal eine Skizze zu einem Atanasken (oder, wie sie nicht gern genannt werden, Halbtroll) angefertigt, der gut zu meinem ersten Charakter dort passt, dem Schreiber Shikrilek.




Shadowrun 1e
Als Shadowrun noch der neue heiße Scheiß war, kam dies natürlich oft auf den Spieltisch. Der Bogen meines ersten Runners liegt zwar vor, aber ich bin sicher, dass es noch einen zweiten mit Illustration geben muss, wo auch immer der gerade ist. Viel zu verpassen gibt es da aber nicht, denn der Straßenname "Sandman" sagt alles über Inspirationsquelle und Aussehen. Tja, damals war eben auch Neil Gaimans Comic brandaktuell und nicht minderer heißer Scheiß.

Der Kampfmagier "Major Grubert" - nach Moebius Comics um die "Hermetische Garage", haha - war deutlich angelehnt an den Drummer Michel "Away" Langevin von Voivod, bis heute eine meiner Lieblingsbands. Die Pose stammt sogar ziemlich eindeutig vom Backcover des Albums "Killing Technology", nur dass ich ihm dann ein Voivod-Shirt angezogen habe.

Der Musiker "Herr Tur Tur", gebaut nach Erscheinen des "Shadowbeat"-Quellenbuchs, verdankt sein Aussehen Al Jourgensen von Ministry - damals nach der Veröffentlichung des Albums "Psalm 69" eine ganz große Nummer.

 



Star Wars D6
Leider teilte meine damalige Gruppe nie meine Leidenschaft für Star Wars, so dass der Nikto-Händler Iclan nur ein einziges Mal auf einer Con zum Einsatz kam. Erst Jahre später, als Episode I angelaufen war, sollte ich noch einmal Star Wars D6 spielen, und zwar gemeinsam mit Freunden, die ich über Deciphers Star Wars Sammelkartenspiel kennengelernt hatte. Der Gotal-Senator - seine feine Robe übrigens stark inspiriert von Quark aus DS9 - sah so immerhin mehrere Spielsitzungen.

 



Die Exoten
Zu vielen Systemen, die gerade zu meiner Gymnasiums- und Studiumszeit vorlagen, wurden oftmals Charaktere gebaut, die aber nie zum Einsatz kamen. So zum Beispiel meine Figuren zu Cyberpunk 2020 (ein Techie), Plüsch Power & Plunder (die Maus Muck), Twerps oder Toon (ein Bigfoot). Letzteres habe ich sogar mehrmals geleitet, aber nie selbst gespielt.

 

 



Der Aktuellste
Die jüngste Zeichnung, die ich gefunden habe, stammt vom Krieger Gorlan, als wir vor einigen Jahren Earthdawn in der damals noch aktuellen Dritten Edition gespielt haben. Sein Aussehen ist ungeniert abgeschaut vom Jedi Dass Jenir im Star Wars-Comic "Dark Times", der wiederum in der von mir abgekupferten Version deutlich an "Für eine Handvoll Dollar" angelehnt ist. Zumindest habe ich die Verzierungen auf Schild und Rüstung stärker auf mesoamerikanisch getrimmt, damit es wenigstens ein bißchen nach Earthdawn aussieht.



Die Inspiration für diesen Artikel
Nun habe ich mir also gerade einmal einen Punkt von über zwanzig ausgesucht, den man laut Eskapodcast als Rollenspieler getan haben muss. Wer wissen will, was ich dabei beflissentlich ignoriert habe, der kann sich gerne die Aufzählung in Teil 1 und Teil 2 anhören. Dort finden sich in den Kommentaren auch Links zu anderen Blogs, die im Gegensatz zu mir alle Punkte ausführlich diskutiert haben.


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