Earthdawn: Geistermentoren

28.02.2020
In der Welt von Earthdawn kann es gerade für sehr erfahrene Adepten schwierig sein, beim Erreichen eines neuen Kreises einen Mentor zu finden, der einem noch etwas beibringen kann. Dank eines über die Zeit angepassten Rituals der Geisterbeschwörer jedoch vermag jede Disziplin einen verstorbenen Meister aus der Anderwelt herbeizurufen. Allerdings sind die Namen dieser Geistermentoren ein wohl gehütetes Geheimnis jeder Disziplin, das zu ergründen ein eigenes Abenteuer sein kann. Und nicht zuletzt hat jeder dieser verblichenen Lehrer wie schon zu Lebzeiten seine ganz persönlichen Eigenheiten.


Yal’ncha, T‘skrang Geisterbeschwörerin
Die Geisterbeschwörerin, die bestimmt schon vor tausend Jahren verstorben ist, kennt die Geheimnisse ihrer Zunft wie keine zweite. Es heißt, sie habe einige der Forschung geleistet, die schließlich zu dem Zauber geführt hat, Geistermentoren herbeizurufen. Yal’ncha durchstreift bis heute die Anderwelt auf der Suche nach der letzten Erkenntnis über das Wesen des Geistes. So ist auch spürbar, dass sie die phyische Welt schon lange abgestreift hat; sie wirkt sehr vergeistigt und abgehoben, als würde sie ständig in fremden Sphären wandeln. Auch wenn ihre Kenntnis um die Anderwelt ihresgleichen sucht, so verbergen sich ihre Lehren doch hinter Sinnbildern und Rätseln.

Ihren Namen finden: Laut den Geisterbeschwörern bleibt das wahre Muster eines jeden Namensgebers auch nach dem Tod in der Anderwelt erhalten. Auf ihren Streifzügen hat Yal’ncha Spuren hinterlassen, die ähnlich einem Siegelabdruck entfernt an ihr eigenes Muster erinnern. Ein Geisterbeschwörer, der selbst genügend dieser Siegel findet, kann aus ihnen Yal’nchas Namen ergründen.




Vinaki, Windling Elementaristin
Viele Elementaristen versuchen eine stete Balance zwischen den fünf Bekannten Naturformenzu finden, Vinaki hingegen hatte sich nur einem Element verschrieben: dem Feuer. Legenden sprechen bis heute von einem Windling, der fasziniert war vom Todesmeer und der tosenden Lava darin. So ist Vinaki auch im Nachleben fast nur auf der Elementarebene des Feuers anzutreffen, in der ihr Geist sich am wohlsten fühlt. Ihr Erscheinungsbild trägt dieser Hingabe Rechnung: Ihre Augen sind weißglühend, das Haar scheint wie flüssiges Feuer. Ihre Haut wirkt wie erkaltete Lava, in der Risse die Glut im Innern zeigen.
So ist es auch kaum verwunderlich, dass Vinaki vor allem Kenntnisse vermitteln kann, die mir ihrem Element zusammenhängen, bei allen anderen aber keine große Hilfe ist.

Ihren Namen finden: Unter Feuerelementaren ist Vinaki, die auch nach all diesen Jahren seit ihrem Tod als Exotin gilt, weithin bekannt. Stellt man einigermaßen mächtigen Feuerelementaren die richtigen Fragen, so offenbaren sie vielleicht den Namen der Elementaristin.


Runill, Zwerg Dieb
Der schweigsame Adept widmete seine Kunst schon in den frühen Tagen der Geißel dem Kampf gegen die Schrecken, indem er deren Pläne und Intrigen immer wieder zu durchkreuzen suchte. Auch nachdem Runill von einem Fressschwarm in Stücke gerissen worden war, setzte er seinen Streit mit den Schrecken in der Anderwelt fort, indem er versuchte, aus ihren Mustern und ihren Zaubern essentielle astrale Stücke zu stehlen. Über die Jahrhunderte hat Runill etliche dieser verdorbenen Beutestücke angesammelt, so dass es seine ganze Kraft erfordert, deren Einfluss zu widerstehen und nicht selbst zu einem Gezücht seiner Feinde zu werden. So mag ein Schüler, der Runill als Mentor gerufen hat, immer wieder feststellen, dass der Geist immer wieder in sich gekehrt und abwesend wirkt, oder aber in gänzlich untypische emotionale Ausbrüche verfällt.

Seinen Namen finden: Der Name Runills wird von Dieb zu Dieb weitergegeben wie ein wertvolles Beutestück und gut geschützt versteckt, nicht selten durch heimtückische Fallen. Aktuell befindet sich der Hinweis auf Runills Name im Hort des zwergischen Kaufmanns Tussup in Travar – bei einem Einbruch, bei dem nur augenscheinlich nichts entwendet wurde, hat ein Adept bis heute unbemerkt stattdessen den Namen des Geistmentors in den Handelsbüchern versteckt.


Chonpa, Ork Kundschafter
Als die ersten Vorboten der Geißel begannen, Barsaive heimzusuchen, mussten die Namensgeber sich darüber Gedanken machen, welche Stellen geeignet sein würden für die Errichtung der unterirdischen Kaers. Viele dieser Bauplätze gehen auf Chonpa zurück, der bei seinen Streifzügen bis in die entlegensten Winkel Barsaives vorstieß und sich so einen fast schon legendären Ruf erarbeitete.

Seinen Namen finden: Bis heute ist Chonpas Name überliefert, gilt er doch als einer der größten Adepten seiner Disziplin. Dennoch gelingt es nur den wenigsten, ihn als Geistermentor aufzufinden: Das Geistritual der Kundschafter zeigt dem Schüler in einer Vision den Ort, an dem sein Lehrer zu finden ist. Chonpa zeigt dabei zumeist einen Treffpunkt im Barsaive, so wie er es vor der Umwälzung durch die Geißel kannte, und der heute gar nicht mehr in dieser Form existieren mag.


Aikatta, Mensch Kriegerin
Die aufbrausende Kämpferin gab ihr Leben im Gefecht mit dem hünenhaften Schrecken Dreizunge, um ihren Kameraden die nötigen Augenblicke zu verschaffen, um Kaer Ipa in den Scolbergen zu versiegeln. Seitdem ficht sie in der Anderwelt gegen Dreizunge weiter, ohne dass einer der beiden die Oberhand hat gewinnen können.

Ihren Namen finden: Kaer Ipa hat dank Aikattas Opfer die Geißel überstanden und wurde vor rund fünfzig Jahren wieder geöffnet. In den Chroniken des Kaers ist die Kriegerin mehrfach erwähnt. Der fortwährende Kampf gegen den Schrecken Dreizunge birgt aber auch große Risiken für den Schüler, der Aikatta aus der Anderwelt rufen möchte: Im Geistritual der Kriegerdisziplin erscheint nach einer Stunde des Kampfes gegen einen erdachten Feind der Mentor, der den Schüler dann besiegt. Bei Aikatta jedoch folgt ihr zumeist auch ein Teil von Dreizunge nach, so dass statt eines ritualisierten Gefechts der Schüler einen echten Kampf um Leben und Tod bestehen muss. Auch ist Aikatta wegen ihres fortdauernden Kampfes mit dem Schrecken eine sehr ungeduldige Lehrerin, die nur für möglichst kurze Zeit in der Welt der Lebenden bleiben will.


Brug, Obsidianer Waffenschmied
Obwohl der Schmied zu Lebzeiten ein angesehener Handwerker und großer Adept seiner Disziplin war, so schaffte er es doch nicht, seine größtes Werk in Form eines filigran gearbeiteten Schmuckstücks zu vollenden. So ist Brug als Geist nicht nur ein Mentor, sondern auch selbst ein Schüler, der selbst von seinem Schützling dessen Eigenheiten hinzulernen will, um zumindest im Nachleben die noch fehlende Erkenntnis zur Perfektion zu erlangen.

Seinen Namen finden: Schmiede, die unter der Anleitung von Brug gelernt haben, entwickeln häufig neue Techniken, die eine Synthese ihrer eigenen Kunst und der des Mentors sind. Die Werke, die dabei entstehen, werden auf Verlangen des Geists stets mit zwei Zeichen versehen, die jeweils Meister und Schüler symbolisieren. Wer solche Waffen findet, findet auch den Namen Brugs – auch wenn es günstig ist, mehrere solche Werke zu studieren, um sicher gehen zu können, welches Symbol zu dem Obsidianer aus der Anderwelt gehört.



Maksir, Troll Schützin
Die Armbrustschützin vom Clan der Steinhörner fand ihr Ende, als Thera durch seine Strafaktionen gegen die Kristallpiraten die Orichalkumkriege beendete. Besonnen und scharfsinnig auch im Nachleben, ist Maksir aber ein schwieriger Geistmentor. Noch immer hält sie fest an dem komplexen Ehrbegriff der Trolle, so dass nur ein unbedachtes Wort eines Schülers – insbesondere, wenn dieser einer anderen Rasse angehört – die Ausbildung abrupt unterbrechen oder gar ganz beenden.

Ihren Namen finden: Schützen, die selbst unter Maksir gelernt haben, verweisen stets auf den Adepten, von dem sie selbst den Namen der Trollin erfahren haben. So muss ein potentieller Schüler zielstrebig, wie es eben die Art dieser Disziplin ist, diesen anderen Schützen finden und als Beweis ein Empfehlungsschreiben desjenigen vorweisen, der ihn auf diese Queste geschickt hat. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass der Gefundene sich weigert, den Namen Maksirs zu verraten, wenn aus dem Schreiben ersichtlich wird, dass der Schüler nicht zielstrebig genug war und zu viel Zeit bei seiner Suche hat verstreichen lassen.




Dieser Artikel ist ein Beitrag zum Karneval der Rollenspielblogs im Februar 2020 mit dem Thema "Und was kommt danach? Der Tod und das Sterben im Rollenspiel". Die Moderation liegt bei Neue Abenteuer, alle Beiträge des Monats werden zudem in diesem Thread des Forums der Rollenspielblogs aufgelistet.


Bildquellen
Jim Nelson, "T'skrang Nethermancer", Earthdawn 1e S. 76, Fasa Corporation 1993
Maik Schmidt, "Obsidiman Weaponsmith", Deviant Art 2017 / Earthdawn 4e Spielerhandbuch S. 70, Ulisses Spiele 2015

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